Stephan Boyens (AfD): Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Manchmal ist es von Vorteil, wenn man diesem Gremium schon ein wenig länger angehört. Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Mich erinnert dieser heutige Olympia-Antrag an eine längst zurückliegende Sitzung aus der letzten Wahlperiode – das war im November 2022. Damals hat das damalige Ratsbündnis – die Kollegen von Grünen, CDU und Volt – einen Antrag zur Einrichtung beziehungsweise Errichtung von mehr Toiletten im öffentlichen Raum eingebracht. Das Geld war damals noch für solche Dinger da.
Aber – und das war das Traurige und das Frustrierende – stellte man nach längerer Diskussion hier im Rat – die Kollegen, die damals dabei waren, werden sich erinnern – fest: Die Stadt ist aufgrund der dafür zwingend notwendigen, komplizierten Abstimmungsprozesse zwischen diversen Ämtern – zudem dezernatsübergreifend – mit einer derart trivialen Aufgabe heillos überfordert. Die Stadt ist heillos überfordert. Es war nicht möglich, in den damals angestrebten zwei bis drei Jahren öffentliche Toiletten hier in Köln aufzustellen.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil mich das an das Thema Olympia erinnert, das wir jetzt hier diskutieren. Warum? Die Kollegen haben damals – nach dieser ernüchternden Bilanz in derselben Ratssitzung – am gleichen Nachmittag noch beschlossen, dass Köln bis zum Jahr 2032 klimaneutral werden soll. Einfach mal so. Da sind wir uns, glaube ich, alle einig: Klimaneutralität für eine Stadt wie Köln ist komplex. Wirklich komplex. Das ist nicht das Aufstellen von öffentlichen Toiletten. Aber so lieben wir Sie ja, unsere Gutmenschen-Fraktion hier im Rat.
(Beifall bei der AfD)
Wenn es bei einer eher unterkomplexen Aufgabe hapert, dann wird mal eben quasi zwischen Mittagessen und Aufstoßen das Weltklima per Ratsbeschluss gerettet. Da fühlt man sich doch gleich viel besser, wenn man sich statt mit den Niederungen der Toilettenhäuschen mit der Verkehrsinfrastruktur im Kölner Norden herumschlägt. Das ist halt mühselig. Das macht Arbeit. Darin sind wir nicht so gut. Genau so, meine Damen und Herren, ist es eben auch hier mit Olympia. Alles, was Sie hier anregen, was Sie hier fordern, was Sie hier in Aussicht stellen, könnten wir auch ohne Olympia haben.
(Beifall bei der AfD)
Wer hindert Sie denn daran, für eine bessere öffentliche Anbindung von Chorweiler an den ÖPNV zu sorgen? Wer hindert Sie denn daran, endlich die Autobahnanbindung an die A57 herzustellen? Wer hindert Sie daran, meine Damen und Herren? Und wer hindert Sie daran, die Planung und eine schnellere Umsetzung für Kreuzfeld voranzutreiben? Wer hindert Sie denn daran, verflixt doch mal?
(Beifall bei der AfD)
Meine Damen und Herren, ich sage Ihnen: Genauso wenig, wie ein Ratsbeschluss das Weltklima rettet, wird Olympia die Lage im Kölner Norden verbessern.
(Beifall bei der AfD)
Das ist die bittere Wahrheit. Machen Sie doch einfach einmal Ihre Hausaufgaben. Das hilft den Menschen im Kölner Norden. Das würde eine Veränderung bewirken. Im Übrigen, lassen Sie mich das zum
Abschluss sagen: Wir bleiben bei unserer Position. Olympia ist ein abgehobenes Elitenprojekt. Die Mehrheit der Bürger in dieser Stadt will und braucht es nicht. Aber auch das sagen wir als AfD-Fraktion: Wir sind für Bürgerentscheide. Lassen wir die Menschen entscheiden. Lassen wir die Bürger entscheiden.
(Beifall bei der AfD)
Wir werden sehen – es wird keine Mehrheit dafür geben. Auch das muss hier noch einmal gesagt werden: Das IOC ist eine zutiefst korrupte und in Teilen kriminelle Organisation, die auf gar keinen Fall Vertragspartner der Stadt Köln sein kann. Olympia wird – das wissen Sie genauso gut wie ich – aufgrund der sittenwidrigen Knebelverträge des IOC regelmäßig zu einem finanziellen Desaster für die ausrichtenden Städte. Noch mehr Steuergeldverschwendung, als wir sie hier ohnehin schon in Köln praktizieren, braucht diese Stadt weiß Gott nicht.
(Beifall bei der AfD)
Und last but not least, Köln ist allein angesichts des nationalen Mitbewerberfeldes – Berlin, Hamburg, München – sehr gut beraten, keine weiteren knappen Ressourcen in ein derartiges Projekt zu verschwenden. Wir sollten die Finger davon lassen, meine Damen und Herren. Insofern stimmen Sie gegen diesen Antrag.
Oberbürgermeister Torsten Burmester: Herr Boyens, Ihre Redezeit ist abgelaufen.
Stephan Boyens (AfD): Ich bin auch am Ende, Herr Oberbürgermeister, aber ein wichtiger Hinweis noch – der ist gleich für die Abstimmung wichtig: Die hier antragstellenden Fraktionen haben krankheitsbedingt keine Mehrheit. Deshalb beantragen wir die zahlenmäßige Abstimmung in diesem Vorgang. – Danke schön.
(Beifall bei der AfD)
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