Stephan Boyens (AfD): Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich frage Sie ganz ernsthaft: In welchem Paralleluniversum muss man unterwegs sein, um ernsthaft Köln als Leading City für Olympia in Betracht zu ziehen? Schon bei dem Begriff „Leading City“ muss doch eigentlich auffallen, dass Köln in etlichen Bereichen nicht „leading“, sondern „last“ ist. Sicherheitsgefühl, Sauberkeit, Baugeschwindigkeit – Baugeschwindigkeit ist für Olympia übrigens eine ganz wichtige Sache. Da ist Köln „last“. „Leading“ sind wir hingegen bei Verwahrlosung, bei Messerkriminalität und bei Drogen.

(Beifall bei der AfD)

Aber so war das sicher von den Antragstellern nicht gemeint. Meine Damen und Herren, eine Stadt, die es seit Jahren nicht fertigbringt, ihre eigenen Bürger sicher und zuverlässig mit der KVB von A nach B zu bringen, schickt sich nun an, die ganze Welt willkommen zu heißen und als Gast zu haben und diese von einer Sportstätte zur nächsten zu bringen? Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, ich bitte Sie! Und dann will man sich noch – Kölscher Größenwahn lässt grüßen – national gegen die Mitbewerber Berlin, München und Hamburg durchsetzen. Meine Damen und Herren, wer das ernsthaft glaubt, hat nicht alle Tassen im Schrank.

(Beifall bei der AfD)

Abgesehen davon verbietet sich eine Bewerbung aus Sicht der AfD-Fraktion schon aus folgenden Gründen: Erstens: Unsere Stadt befindet sich – ich werde nicht müde, es immer wieder zu wiederholen – faktisch in der Haushaltssicherung. Nur durch Tricks unserer Kämmerin tun wir so, als seien wir dort nicht. Zweitens – darauf hat der Kollege von der LINKEN zum Teil richtig hingewiesen -: Die Kosten für Olympia werden regelmäßig gesprengt. Ganz konkret: Der Plan in Paris sah 2,2 Milliarden Euro vor, und wie hier richtig erwähnt wurde, herausgekommen ist man bei 6,6. Dazu auch noch eine schöne Anekdote: Herr Wüst, der sich ja zum Fürsprecher dieser Spiele gemacht hat, muss jetzt die Gelder für die Abstimmung bereitstellen. Auch Köln bekommt Gelder, seinen Anteil – wir werden nur ca. 300 000 Euro aus eigener Tasche bezahlen müssen. Aber wo holt Herr Wüst das Geld her? – Aus dem allgemeinen Sporttopf! Das heißt, es werden also, liebe Kollegen von der CDU, die Sportstätten nicht weiter saniert, sondern da wird das Geld abgezweigt. Da sieht man doch schon, das Ganze ist vollkommen auf Sand gebaut.

(Beifall bei der AfD)

Die Stadt ist schon heute mit der Aufrechterhaltung von Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung überfordert. Die Bürger erleben die Verwaltungen als zunehmend überfordert und dysfunktional. Auch das gehört hier noch einmal angesprochen: Das IOC ist ein durch und durch korruptes Konstrukt und kann daher niemals ein seriöser Vertragspartner sein. Und schließlich: Die Mehrheit der Bürger möchte kein Olympia in Köln, und NRW Olympia ist ein abgehobenes Elitenprojekt. Der einzige Grund, warum wir als AfD dem Antrag dennoch zustimmen werden, ist, dass er die Durchführung eines Bürgerentscheids vorsieht.

(Beifall bei der AfD)

Wir sind uns sehr sicher, dass dieser keine Mehrheit finden wird. Aber Sie wissen, wir haben ein Herz für Volksentscheide und Bürgerentscheide, und deshalb sagen wir, diese 300 000 Euro sind gut investiertes Geld, um die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens durch die Menschen in Köln entscheiden zu lassen. Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und sage Ihnen voraus: Wir werden keine Mehrheit für diesen Entscheid haben. – Danke.

(Beifall bei der AfD)

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